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Eine Kurzgeschichte von Aussortiertem

Ich verkaufe und verschenke in unregelmäßigen Abständen Bücher, Kleidung und andere aussortierte Dinge. Ersteres mache ich nicht unbedingt für das Geld, aber ich habe gemerkt, dass Dinge mehr geschätzt werden wenn man einen gewissen Preis dafür bezahlen soll. Die Menschen sind höflich, können sich in ganzen Sätzen ausdrücken und die erste Kontaktaufnahme erfolgt sogar mit einem freundlichen Hallo.

Will man jedoch etwas verschenken, wird am liebsten direkt die ganze Hand genommen. In der Anfrage liest man selten einen höflichen Unterton mit oder die geschilderten Geschichten sind so hochdramatisch, dass einem schwindelig wird. Leider. Ich habe deshalb angefangen, mein Aussortiertes lieber im Freundes- und Bekanntenkreis zu verschenken oder an karitative Einrichtungen zu spenden.

Bei meinen Begegnungen mit all diesen Menschen, habe ich schon einige witzige und kuriose Situationen erlebt. So traf ich beispielsweise auf Manfred, der einem amerikanischen Familienfilm aus den Achtzigern entsprungen schien. Ausgewaschener Pullover in einer unaussprechlichen Farbe, durchgelaufene Turnschuhe und ungekämmtes, langes Haar. Er freute sich sehr über die Größe der Backform die er mit „mah so liab“ kommentierte, nur um mir im selben Atemzug und ganz kurz die Wichtigkeit des Wahlrechts zu erklären. Oder Sandra, die es sich nicht nehmen ließ, das Sackerl voll Kleidung seelenruhig im Nieselregen auszupacken und jedes Teil einzeln zu begutachten.

Es gibt aber auch negative Erfahrungen, sodass man zum Beispiel zehn Minuten lang in der Kälte warten muss bis der eigene Geduldsfaden reißt und man wieder nach Hause geht. Unangenehm sind auch jene Leute die sagen, sie hätten auf ihrem Weg innerhalb Wiens keinen einzigen Bankomaten gefunden und deshalb zehn Euro weniger dabei als ursprünglich ausgemacht. Ja eh.

Das Internet bietet bekannterweise unzählbare Möglichkeiten, seine Altlasten schnell und vor allem (fast) kostenlos loszuwerden. Fast alle meine Erfahrungen konnte ich durch willhaben.at machen. Gerade im Großraum Wien findet man die dankbarsten Abnehmer. Verkauf- und Verschenkegruppen bei Facebook sind ebenfalls einen Versuch wert. Für Kleidung ist kleiderkreisel.at sicher eine der besten Adressen, auch wenn ich von deren „Imagewandel“ gefolgt von Geldgier nicht sehr angetan bin. Außerdem braucht es dafür eine Menge Geduld und copyandpaste für den Hinweis, dass man aus Österreich kommt und die Versandkosten dementsprechend hoch wären. Bei den restlichen Angeboten wie eBay und Shpock blieb es bisher bei erfolglosen Bemühungen. Ich möchte aber in den kommenden Wochen versuchen, alle Möglichkeiten separat aufzulisten damit ihr euch einen groben Überblick verschaffen könnt.

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