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Island #3

Ein Reisetagebuch. Teil Eins. Teil Zwei. Teil Drei.

Sonntag, 21.08.2016 – Der Süden

Wir frühstückten, bauten das Zelt anschließend ab, schnappten die Kamera und spazierten zum Skógafoss. Das Beste: Wir waren komplett alleine und von Touristen weit und breit keine Spur! Anschließend fuhren wir mit dem Auto weiter Richtung Osten mit dem Plan, das „berühmte“ Flugzeugwrack auf Sólheimasandur zu finden. Etwa auf halbem Weg zwischen Skógafoss und Vik befindet sich ein unscheinbarer Parkplatz in der Nähe eines Tores das mit einer Kette verschlossen ist. Wir parkten unser Auto und spazierten geradeaus. Wir waren sehr lange alleine und konnten irgendwann zwei schemenhafte Personen weit hinter uns erkennen. Um kurz nach 8 Uhr waren wir vermutlich die ersten an diesem Tag. Das tatsächliche Wrack konnten wir erst kurz vor der Ankunft sehen, glaubten aber fälschlicherweise, es auf dem zirka 40-minütigen Weg hinter jeder Düne zu erkennen. Das Wrack selber ist nur noch der Rumpf und ein Teil der Flügel. Der Rest war zerfetzt oder fehlte ganz. Es war von Touristen regelrecht „bezeichnet“ und bekritzelt. Schien im Großen und Ganzen aber sehr stabil. Um die Stille noch etwas mehr genießen zu können, gingen wir noch die restlichen 100 Meter ans raue Meer und genossen dort die Aussicht auf das Meer.

Zurück beim Auto fuhren wir weiter nach Dyrhólaey an die Klippen, um Papageientaucher zu beobachten. Danach ging es weiter an den schwarzen Strand von Reynisfjara.

Reynisfjara ist ein wunderschöner schwarzer Strandabschnitt mit noch wunderschöneren Basalt- und Felssäulen im Wasser. Manche kennen die Felsen aus dem Musikvideo „Holocene“ von Bon Iver, die in echt tausendmal schöner sind. Auch hier haben wir die Papageientaucher wieder angetroffen und dabei beobachtet, wie sie sich wagemutig von den Klippen stürzen. Nach einem kurzen Aufenthalt fuhren wir weiter nach Kirkjubæjarklaustur. Auf dem Weg dorthin lief vor uns ein Polarfuchs über die Straße und ein volltätowierter Polizist unterhielt sich Mitten im Nirgendwo mit einem Mann am Straßenrand.

Montag, 22.08.2016 – Der Südosten

Am nächsten Tag fuhren wir in Richtung Skaftafell. Der ursprüngliche Plan nach Norden zu Lakagigar zu fahren wurde verworfen, weil unser Reiseführer vor Flussüberquerungen warnte. Unterwegs stoppten wir bei Foss A Sidu, einem langen schmalen Wasserfall der aber leider abgesperrt war. Gegenüber des Wasserfalls befindet sich Dverghamrar und ist definitiv einen kurzen Stopp wert. Die Basaltsäulen erstrecken sich über ein großes Feld und erklimmt man den höchsten Basalthügel, hat man einen netten Ausblick über die umliegende Landschaft.

Auf der Fahrt nach Skaftafell bot sich uns eine atemberaubende Kulisse mit Bergen und Gletschern. Wir kamen gegen 11 Uhr an und uns erwartete eine Flut an Mietwagen und Bussen. Beim Besucherzentrum checkten wir Wanderrouten und brachen Richtung Svartifoss auf. Beim Svartifoss angekommen trafen wir auf die Touristen aus den zahlreichen Autos. Trotzdem schafften wir es die Gegend zu genießen und rasteten eine Weile, sodass sich die Menschenmassen etwas verteilten während wir am Wasser saßen. Wir setzten unseren Wanderweg zu Sjónarnípa fort. Der Weg dorthin war zwar anstrengend, aber wesentlich weniger überlaufen und der Blick auf die Berge und über das flache Land bis hin zum Meer ließ uns alles wieder vergessen. Bei der Ankunft an unserem Ziel hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die Gletscherzunge Skaftafellsjökull. Auf dem Bergvorsprung war es extrem windig und wir begannen bald darauf den Abstieg. Thomas empfand ihn als sehr mühsam, da sich ein enger Weg durch den Wald schlängelte und es teilweise steil abwärts ging. (Anmerkung: ein umgekehrter Aufstieg wäre sicherlich besser und interessanter gewesen).

Zurück im Auto bogen wir spontan nach links von der Route 1 ab. Der Anblick der riesigen, blau leuchtenden Gletscherzunge verzauberte uns viel zu sehr um einfach daran vorbeifahren zu können. Die Straße dorthin war als F-Straße gekennzeichnet und dementsprechend etwas schwerer zu befahren. Nach gefühlt tausend Schlaglöchern bot sich uns ein extrem schöner Ausblick über die Gletscherzunge. Katharina stimmte es aber auch traurig, weil man den Rückgang des Gletschers bereits eindeutig erkennen kann.

In Svínafell blieben wir bei einem Campingplatz stehen und bauten unser Zelt auf. Kurz darauf begann es zu regnen und merkbar kalt zu werden. Kurz vor dem Einschlafen wurde der Regen stärker und plötzlich zog ein Sturm auf, der fast das Zelt zerstört hätte. Wir packten alles in gefühlt zehn Sekunden ins Auto und warfen das abgebaute nasse Zelt regelrecht hinterher. Als wir uns im Auto in Sicherheit sahen, legte sich der Sturm wieder.

Dienstag, 23.08.2016 – Der Osten

Wir wachten nach einer ungemütlichen Nacht im Auto gegen 9 Uhr auf. Die Stimmung war dementsprechend getrübt, welche das schöne Wetter aber ziemlich schnell wieder erhellte. Wir räumten das Chaos im Auto auf und fuhren dann relativ bald los bis Fjallsarlon, einem kleinen Gletschersee. Die Kulisse war atemberaubend schön und zu unserer Überraschung war es nicht kälter, was man sich vor der Eiskulisse irgendwie erwartet hätte. Wir genossen die Stille die nur vom Knacken des Eises durchbrochen wurde. Wir spazierten am See entlang und fuhren dann weiter zu Jökulsarlon wo uns leider sehr trübes Wetter erwartete. Jökulsarlon ist eine Gletscherlagune die mit starkem Strom ins Meer fließt und riesige Eisbrocken mitschwemmt. Das leuchtende Blau und das klare Wasser lassen sich mit Worten kaum beschreiben.

Unsere Weiterfahrt wurde länger als gedacht, da wir eigentlich geplant hatten, kurz vor Stokksness abzufahren um dort ein Wikingerdorf zu besuchen. Ein Gästebucheintrag am Eingang warnte uns davor, für eine lieblose Wikingerkulisse umgerechnet sechs Euro zu bezahlen. Da das Dorf auch historisch nicht relevant ist, war unsere Entscheidung zur Weiterfahrt ziemlich schnell getroffen. Wir entschlossen uns, beim ersten Campingplatz kurz vor Breiddalsvik stehen zu bleiben. Nach einer warmen Dusche in einem selbst gezimmerten und selbst installierten kleinen Häuschen, begaben wir uns in die super gemütliche Küche und kochten nach Tagen endlich wieder etwas Warmes zu Essen.

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