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Island – Westfjorde und die Halbinsel Snaefellsnes

Island – ein Reisetagebuch. Teil Eins. Zwei. Drei. Vier.

Freitag, 26.08.2016 – Der Norden von Island

Nach einer kalten und ungemütlichen Nacht im Auto, waren wir froh den letztklassigen Campingplatz verlassen zu können. Die Ausfahrt vom Campingplatz lag direkt an einer der vielen einspurigen Brücken, die es überall in Island gibt. Man wird zwar einige Meter davor durch ein Schild gewarnt, dieses war hier aber von unserem Standpunkt aus nicht zu sehen.

So kam es, dass wir auf die einspurige Brücke auffuhren, ohne auf den Gegenverkehr zu achten, und somit zu spät bemerkten, dass ein Lastwagen mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu kam und nicht langsamer wurde. Platz zum Ausweichen gab es nicht und es war bereits zu spät um den Rückwärtsgang einzulegen. Es waren die längsten Sekunden unseren Lebens, als wir starr im Auto saßen, fluchten und uns wünschten, der LKW würde endlich abbremsen. Der Fahrer war offenbar auch abgelenkt, sonst wäre er nicht erst in der allerletzten Sekunde auf die Bremse gestiegen.

Der LKW rutschte noch auf uns zu, während wir schon auf den Knall warteten. Doch er blieb aus und der Lastwagen vielleicht 5 Zentimeter vor unserem Auto stehen. Bevor wir unser Glück realisieren konnten, drehte der Fahrer die Fensterscheibe runter (wir konnten ihn gar nicht sehen, so nah stand der LKW vor uns) und schrie in GTA-ähnlicher Manier „What the fuck is wrong with you?!“. Thomas legte sofort den Rückwärtsgang ein, dicht gefolgt vom LKW schob er wieder zurück in die Ausfahrtsstraße. Mit noch immer klopfenden Herzen fuhren wir ein weiteres Mal über die Brücke und bogen gleich links zum Godafoss ab.

Wahrscheinlich war es noch das gute Gefühl am Leben zu sein, aber uns fielen zuerst die vielen älteren, aber sehr glücklich scheinenden Menschen auf, die auf nassen Felsen herumkletterten. Erst danach nahmen wir die Landschaft am Godafoss wahr. Wir kletterten ebenfalls auf die Felsvorsprünge um einen guten Blick auf den Wasserfall zu bekommen. Das Wasser war außergewöhnlich klar und ergab mit der schönen grünen Landschaft und den moosbedeckten Felsen drum herum eine fast kitschige Idylle. Leider war das Wetter feucht und nebelig, weshalb wir dort nicht sehr lange verweilen wollten. Die Weiterfahrt nach Akureyri war nicht weiter spannend. Man befährt die Stadt jedoch von Osten kommend über eine lange Brücke und Landzunge.

Godafoss Wasserfall wienergrün Blog

Wir entschlossen uns, die Halbinsel Vatnsnes auf der Westseite abzufahren, auf der uns eine kilometerlange Kiesstraße erwartete. Bei einer Pause versuchten wir uns vergeblich den Schafen anzunähern, entdeckten dort ein „Achtung Robben“-Schild und suchten den Strand und das Wasser nach ihnen ab. Leider blieb auch dies erfolglos, weshalb wir bald darauf wieder auf die Ringstraße zurückfuhren und uns um eine Schlafmöglichkeit kümmern wollten.

Da sich das Wetter im Laufe des Tages nicht besserte, wollten wir unser Glück in einer Jugendherberge Saeberg versuchen. Außerdem war das Bedürfnis nach einer warmen Dusche in warmer Umgebung viel zu groß. Das Glück lag auf unserer Seite. Als erstes wurde ausgiebig geduscht, um danach Stellung in der Hostelküche zu beziehen, wo endlich wieder warm gekocht werden konnte. Viel zu spät und zu müde entdeckten wir, dass es einen hauseigenen Hot Pot im Garten gegeben hätte, was in Island oft anzutreffen ist.

Leuchtturm Landschaft wienergrün Blog

Samstag, 27.08.2016 – Die Westfjorde

Morgens brachen wir gleich in Richtung der Westfjorde auf, genauer gesagt nach Holmavik, einem wichtigen Durchfahrtsort. Davor stand noch das obligatorische, tägliche Tanken auf dem Programm. Die gut 2 Stunden Fahrt entlang der kurvenreichen Küste haben wir gut hinter uns gebracht. In Holmavik angekommen, stoppten wir sicherheitshalber gleich nochmal an einer Tankstelle, weil wir gelesen hatten, in den abgeschiedenen Westfjorden seien Tankstellen noch rarer als im Rest von Island.

Wir fuhren durch das Dorf bis zum Hafen und stoppten an einem skurrilen Haus mit Gartenzwergen und Statuen im Vorgarten. Direkt gegenüber befindet sich das Hexereimuseum (Sorcery & Witchcraft Museum), das zu den wenigen wirklichen Sehenswürdigkeiten in Holmavik gehört. Im Museum lernt man etwas über die Hexenverfolgung und -verbrennungen in der Region. Außerdem gibt es Nachbildungen von Kreaturen aus Sagen, Utensilien, die man bei Opferungen verwendete, und es wurden Rituale und Zaubersprüche genau erklärt. Wir verewigten uns im Gästebuch und fuhren weiter Richtung Südwesten.

Halbinsel Snaefellsnes Westfjorde Landschaft wienergrün Blog
Halbinsel Snaefellsnes wienergrün Blog

Regen und Sonnenschein wechselten sich regelmäßig ab, genauso wie gute und sehr schlechte Straßen. Das, und die kurvenreichen, extrem engen Wege mit teils beängstigend hohen Steigungswinkeln machten die Fahrt zu einer anstrengenden Tortur – trotz der wirklich schönen Landschaft. Es war zwar schade, aber wir drehten nach einiger Zeit wieder um in Richtung Flokalundur. Von dort ging es weiter zur Ringstraße, wo wir uns vor der Halbinsel Snaefellsnes auf einem Campingplatz einquartierten.

Halbinsel Snaefellsnes Landschaft Island wienergrün Blog

Sonntag, 28.08.2016 – Osten / Halbinsel Snaefellsnes

Die Nacht war eiskalt, selbst 3 Paar Socken waren zu wenig gegen gefühllose Zehen. Zumindest hat uns zu unserer kleinen Freude beim Zeltabbau eine Katze besucht. Wir tankten zur Sicherheit noch einmal und machten uns auf zur Umrundung der Halbinsel Snaefellsnes.

Katze wienergrün Blog

Das erste Streckenstück war unasphaltiert und ungefähr 50km lang. Als Maut bezahlten wir mit unseren Nerven. Als wir die im Norden der Halbinsel gelegene Stadt Stykkisholmur erreichten und wieder Asphalt unter unseren Füßen hatten, waren wir kurz davor den Boden zu küssen. Die Stadt mit ihren 1000 EinwohnerInnen war ruhig, wobei man schon fast ausgestorben sagen konnte. Wir spazierten durch den Ort und setzten uns zum Essen auf eine kleine Steinmauer am Hafen. Dort wurden wir sogleich wieder von einer Katze besucht und um Essen angebettelt.

Stykkisholmur Stadt Norden wienergrün Blog
Stykkisholmur Landschaft Island wienergrün Blog

Danach fuhren wir nach Westen durch das Lavafeld Berserkjahraun und weiter zum markanten Berg Kirkjufell (noch ein Ort an dem Ben Stiller mit dem Skateboard gefahren ist). An der westlichen Spitze der Halbinsel liegt ein Nationalpark und der gleichnamige Gletscher Snaefellsjökull. Wir hielten am Leuchtturm Malariff, spazierten die Klippen von Arnarstapi entlang, sahen uns die hässliche Trollkirche und das Jules Verne Denkmal an, demzufolge der Eingang zum Mittelpunkt der Erde an diesem Ort lag.

Mondlandschaft Lavafeld Berserkjahraun Island wienergrün Blog
Kirkjufell Island wienergrün Blog

Auf der Weiterfahrt in Richtung Inland fuhren wir an der Zufahrt zum Strand von Ytri Tunga vorbei, von dem wir gelesen hatten, dass sich dort besonders oft Robben blicken lassen. Wir drehten sofort um, um uns das nicht entgehen zu lassen. Zunächst waren wir alleine auf dem Sandstrand und konnten keine Robben sehen. Nach kurzer Zeit bemerkten wir ein paar Schnauzen im Wasser, die neugierig in unsere Richtung blickten. Heraus traute sich aber leider keine der Robben.

Ytri Tunga Robben wienergrün Blog

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