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Island #4

Ein Reisetagebuch. Teil Eins. Teil Zwei. Teil Drei.

Mittwoch, 24.08.2016 – Nordosten

Unser nächstes Zwischenziel war der relativ „große“ Ort Egilsstadir. Der Weg an der Küste entlang war lang, nebelig und meist nicht asphaltiert. Uns war schnell klar, dass wir nicht alle Fjorde im Osten an einem Tag schaffen würden, also entschieden wir uns für zwei: Mjóifjörður und Seydisfjördur. Nach einem kurzen Stop in Egilsstadir ging es direkt weiter nach Mjóifjörður. Auch hier erwartete uns ein sehr holpriger Straßenabschnitt. 20 Kilometer ein Auf und Ab. Immerhin wurden wir mit einem wunderbaren Ausblick entschädigt. Wir hielten am Fjord und erkundeten eine Weile die Gegend und einen alten verrosteten Kahn. Dann machten wir uns auf zum zweiten Fjord im Osten: Seydisfjördur. Wenn man wenig Zeit hat, sollte man unbedingt diesen Ort wählen. Definitiv kein Fehler.

Die Straße war glücklicherweise asphaltiert. Eine riesige Erleichterung, die man vermutlich nur verstehen kann, wenn man selber in Island Auto gefahren ist. Wir kamen an einem sehr schönen Wasserfall vorbei, dem Gufufoss, an dem auch Ben Stiller in „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ mit dem Skateboard vorbeifährt. Das Städtchen im Tal des Fjords ist beinahe kitschig schön: klein, bunt, heimelig und war das Highlight dieses Tages. Der Abschied davon war schmerzlich, aber wir machten uns bald auf den Weg ins 190km entfernte Reykjahlid bei Myvatn.

Die Fahrt war unspektakulär und ermüdend. Es gab keine Dörfer und die Landschaft war nicht sehr einladend. Um ca. 19:00 kamen wir am Campingplatz direkt am See Myvatn an. Es war groß, grün und gepflegt. Wir schlugen unser nasses Zelt auf und machten uns gleich weiter auf den Weg zum Naturbad Myvatn, der sogenannten „Blauen Lagune des Nordens“.

Das Bad war der Blauen Lagune tatsächlich ähnlich, aber im Gegensatz zu dieser natürlicher, kleiner und weniger überlaufen. Die Wärme in der Lagune variierte stark von kochend heiß bis kühl. Der Boden war sandig und durch den extremen Nebel konnte man nur ein paar Meter weit sehen. Nach dem anstrengenden Tag war es aber ein erholsamer Abschluss.

Donnerstag, 25.08.2016

Wir besorgten unsere Tickets für Whale Watching an der Rezeption, wofür wir sogar einen Rabatt bekamen. Wir verstauten das immer noch nasse Zelt im Auto und starteten unsere Tour gegen den Uhrzeigersinn um den See Myvatn, vorbei am Vindbelgjorfjall, den wir dank herrschendem Nebel leider nicht sehen konnten. Es ging weiter nach Skufustadagiger. Uns fiel die extreme Mückenplage rund um den Myvatn bereits am Vortag auf, aber hier schien es noch extremer als an anderen Stellen zu sein. Wahrscheinlich auch einer der Gründe, weshalb wir die dortigen Krater nicht sehr lange erkundeten und weiter fuhren.

Dann ging es weiter nach Dimmuborgir. Wir bestiegen eine Anhöhe, von der man einen guten Blick über die Felslandschaft hatte und in der anderen Richtung der Hverfall zu sehen war. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte man eine gemütliche 45-60 minütige Wanderung dorthin machen können. Wir entschieden uns für das Auto, was wesentlich schneller aber nicht unbedingt gemütlicher war. Auf einer Schotterpiste ging es zu einem großen Parkplatz und von dort weiter den kurzen, aber schweißtreibenden Aufstieg zum Krater. Oben angekommen genossen wir die wunderschöne und vor allem weite Aussicht.

Wir fuhren weiter zur Grjotagja Höhle. Gleich zu Beginn geben wir es zu: wir wollten die Höhle, in der Jon Snow in Game Of Thrones seine Unschuld verlor u n b e d i n g t sehen. Wir kletterten in einen der zwei sehr engen und dunklen Eingänge: Vor uns sahen wir eine wunderschöne Höhle mit Tropfsteinen an den Wänden und einem kleinen See mit sehr warmem Wasser. Die ganze Szenerie wirkte sehr unberührt, obwohl sie einmal öffentlich zugänglich war und durch das Filmteam einen gewissen Bekanntheitsgrad bekam. Während wir uns umsahen, summte ein Mädchen die Game Of Thrones Melodie.

Wir hielten für einen kurzen Stop in Reykjalid zum tanken, um dann weiter (zurück) zum Dettifoss und Selfoss zu fahren. Wir waren wegen unserer Tickets fürs Whale Watching leider etwas unter Zeitdruck, weshalb wir nicht sehr lange dort bleiben konnten. Der Dettifoss ist ein gewaltiger und breiter Wasserfall (nach laienhaften Schätzungen unsererseits mehrere 100 Meter breit), dessen Fluss extreme Wassermassen durch eine mondartige Landschaft führt. Nach einem kurzen Marsch erreichten wir den Selfoss, der deutlich ruhiger war als der Dettifoss.

Auf der Weiterfahrt kamen wir gut voran, obwohl wir wieder eine lange Schotterstraße vor uns hatten und der Weg etwas schwindelerregend war, da wir über einen Berg mussten, der nur spärlich gesichert war. Im inzwischen kalten und nebeligen Husávik angekommen, fuhren wir direkt zum Whale Watching Center und konnten sogar noch das Schiff um 16:30 Uhr nehmen, anstatt, wie gebucht das um 17:30 Uhr.

Auf dem kleinen Schiff bekamen wir lustige, viel zu große, aber sehr warme Overalls und fuhren kurz darauf los. Nach zirka 30 Minuten Fahrt sahen wir bereits den ersten Wal, danach tauchten sie immer regelmäßiger auf.

Zurück an Land, eilten wir ins Auto und drehten die Heizung bis zum Anschlag. Wir verwarfen die lange Weiterfahrt nach Akureyri und blieben zum Schlafen an einem Campingplatz direkt am Godafoss stehen. Der Campingplatz war leider sehr schlecht ausgestattet. Es gab keine Küche und in einem Container ohne Tür gab es zwei Toiletten und eine Dusche für alle Campingplatzbesucher.

Wir aßen im Auto Instantnudeln, die wir mit lauwarmem Wasser aufgegossen hatten. Man kann sich vorstellen wie gut das geschmeckt hat, aber es passte vom Gefühl her perfekt zum Campingplatz und unserer Laune. Deshalb entschlossen wir uns auch dazu, im Auto zu schlafen.

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