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Neuseeland Rundreise – Die zweite Woche

Von Taupo zum Tongariro National Park

Da die Nacht im Zelt recht kalt war, frühstückten wir in der Sonne und fuhren dann zu den Huka Falls – ein klarer, blauer Fluss bei dem an einer schmalen Stelle große Wassermassen in ein Becken hinunterstürzen. In unmittelbarer Nähe liegt das Geothermalfeld Craters of the Moon. Es sollte das dritte und letzte dampfende Feld sein, das wir besichtigten. Es war ein netter Spaziergang über die Pfade, mehr jedoch nicht.

Anschließend fuhren wir weiter zur nächsten größeren Stadt Taupo, nach der auch der größte See Neuseelands benannt ist. Am Tag zuvor hatten wir gehört, dass es eine der schönsten Städte in Neuseeland sein soll. Davon wollten wir uns selber überzeugen und wurden nicht enttäuscht. Taupo ist ein nettes, belebtes und tatsächlich sehr schönes Städtchen, durch das wir an diesem heißen Sommertag herumschlenderten. Nachmittags setzten wir uns an den See und aßen nach einer gefühlten Ewigkeit (tatsächlich war es wohl eine Woche) endlich wieder etwas Warmes als verspätetes Mittagessen.

Huka Falls Taupo Neuseeland wienergrün Blog
Craters of the Moon Geothermalfelder Neuseeland wienergrün Blog
Taupo Lake Taupo Neuseeland wienergrün Blog

Unser nächstes Ziel war der Tongariro National Park, wo wir für die kommenden zwei Tage ein Zimmer gebucht hatten. Nach den letzten Tagen im Zelt war es eine nette Abwechslung, in einem Bett zu schlafen. An der Rezeption buchten wir den Shuttlebus der uns am nächsten Tag zum Startpunkt der berühmten Tageswanderung Tongariro Crossing bringen sollte.

Mount Ngauruhoe Neuseeland wienergrün Blog

Tongariro Crossing

Um 7 Uhr Früh saßen wir in einem sehr alten, klapprigen Bus in Richtung Gebirge. Während der Fahrt erzählte uns der Fahrer Dutchy, dass sich hier das größte Kiwi-Brutgebiet in Neuseeland befindet, er selbst jedoch in seinen 65 Jahren noch nie einen gesehen habe.

Im Vorfeld hatten wir vieles zu dieser Wanderung gelesen und waren uns ziemlich unsicher, was uns erwarten würde. Die Erfahrungsberichte gingen weit auseinander und es fiel uns schwer, uns selbst (d.h. unsere Kondition plus Wanderausrüstung) darin einzuordnen. Eines jedoch Vorweg: Zwiebellook, Mütze/Stirnband und sogar Handschuhe schaden auf keinen Fall! Auch Dutchy klärte uns über die „Verhaltensregeln“ am Berg auf und mahnte zur Vorsicht und zur realistischen Einschätzung der eigenen Kräfte.

Bereits am Startpunkt der Wanderung angekommen, wussten wir weshalb wir gewarnt wurden. Am Parkplatz stand eine Horde Menschen, die sich alle auf die gleiche Wanderung – bei ungefähr 3 Grad Celsius im Sommer – vorzubereiten schienen. Einige in Sneakers, kurzer Jeanshose und einem dünnen Pullover. So setzten wir uns inmitten einer bunten und großen Menschenmasse in Bewegung.

Tongariro Crossing Mount Ngauruhoe Neuseeland wienergrün Blog

Wir hatten fast 20 Kilometer vor uns und würden gut sechseinhalb Stunden dafür unterwegs sein. Zu Beginn handelt es sich um einen angenehmen Marsch, der etwa 40 Minuten in Anspruch nimmt. Vor dem nächsten Abschnitt wurde gewarnt und man wurde durch viele Schilder darauf hingewiesen, dass man umkehren sollte falls man sich nicht fit genug fühlt. Der Grund waren Treppen. Sehr viele Stiegen und der scharfe Wind machten die Wanderung zunehmend anstrengend.

Tongariro Crossing Neuseeland wienergrün Blog

Oben angekommen, blickten wir auf den Mount Ngauruhoe, der wie ein perfekt geformter, riesiger, roter Kegel aussieht. Der Weg verläuft weiter über eine staubige, karge Wüstenlandschaft die eigentlich ein Vulkankrater ist. Es geht noch einmal steil bergauf, und lose liegende Steine machten den Aufstieg nicht wirklich leichter. Im Laufe des Weges stieg Nebel auf und machte die ganze Szenerie zu einer apokalyptischen Umgebung. Kurz vor den wunderschönen Emerald Lakes, auf der Höhe des Red Crater, klarte der Himmel auf. Nach einer steilen Rutschpartie bergab, legten wir eine Pause ein. Wir marschierten vorbei am Blue Lake, von wo es langsam weiter bergab geht. Zum Schluss liefen wir eine ganze Weile durch den Wald zum Parkplatz, wo wir auf eine große Menge müder Wanderer trafen, die alle still und erschöpft im Schatten saßen. Nach einer kurzen Rast kam unser Bus, der uns zurück zum Hotel brachte.

Tongariro Crossing Mount Ngauruhoe Neuseeland wienergrün Blog
Tongariro Crossing Mount Nagauruhoe Neuseeland wienergrün Blog
Red Crater Tongariro Crossing Mount Ngauruhoe Neuseeland wienergrün Blog
Emerald Lakes Tongariro Crossing Mount Ngauruhoe Neuseeland wienergrün Blog
Mount Tongariro Tongariro Crossing Neuseeland wienergrün Blog
Tongariro Crossing Emerald Lakes Tongariro Crossing Mount Ngauruhoe Neuseeland wienergrün Blog

Forgotten World Highway und Mount Taranaki

Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, auf dem Weg nach New Plymouth den Forgotten World Highway zu nehmen. Es wird geraten, unbedingt vorher zu tanken, da die Gegend bis auf ein paar wenige Häuser fast unbewohnt ist. Die Straße ist etwa 150 km lang und wird kaum befahren. Sie führt durch teilweise unberührte Landschaften, hügelige Grasflächen mit Schaf- und Kuhherden und durch die unabhängige, abgespaltene Republik Whangamomona. Unser Highlight der Strecke war der sehr enge und dunkle Moki Tunnel.

Der Highway endet in Stratford, einer kleinen Stadt in der Nähe des Mount Taranaki, einem relativ jungen Vulkan. Wir machten einen spontanen Zwischenstop beim Dawson Fall, einem Wasserfall am Fuße des Mount Taranaki mitten im dichten Wald.

Wir entschieden uns am Ende des Tages für einen schön ausgestatteten Campingplatz in New Plymouth, direkt in der Nähe des Hafens. An diesem Punkt hatten wir die Hälfte unseres Urlaubs, die Nordinsel, hinter uns, was wir mit einem Bier feiern wollten. Der Einkauf der Getränke stellte sich aber als komplizierter heraus, als wir dachten. Dank strenger Alkoholkontrollen mussten wir beide unsere Pässe zeigen, die nur ungern angenommen und insgesamt von drei Mitarbeiterinnen des Supermarktes kontrolliert wurden. Zurück am Campingplatz konnten wir schlussendlich Sonnenuntergang und Bier in Ruhe genießen.

Queenstown, Moke Lake und Te Anau

Mit einem Propellerflugzeug flogen wir am nächsten Tag über Auckland zur Südinsel, nach Queenstown. Dort verbrachten wir die Nacht in der Nähe des Flughafens, wo wir am nächsten Morgen von der Autovermietung unseren Camper abholten. Obwohl wir unser Zelt hatten, entschieden wir uns dafür, für unseren Trip auf der Südinsel einen Camper zu mieten. Die Rückbank ließ sich in ein Bett verwandeln und im Kofferraum befand sich eine Art Mini-Küche. Wir waren nun – als Teil der auffälligen grün-violetten Flotte der Firma Jucy – überall gut als Touristen erkennbar und fanden schnell heraus, dass es wohl ungeschriebenes Gesetz ist, sich gegenseitig beim Vorbeifahren zu grüßen, woran wir uns von da an strikt hielten.

Nach unserem Großeinkauf im örtlichen Supermarkt – der dafür bekannt ist, dass die Geschäftsleitung eine Katze adpotiert und als Mitarbeiter eingestellt hat – fuhren wir nach Queenstown, einer langgezogenen Stadt am See, die voller Menschen war. Unser erstes Ziel war jedoch Moke Lake, auf den wir dank einer Fernsehserie aufmerksam geworden sind. Dort picknickten wir im Gras und wurden zum ersten Mal auf der Reise von stechenden Sandfliegen belästigt. Wer noch nicht das Vergnügen hatte: die Biester sehen wie harmlose Fruchtfliegen aus, kratzen einem aber die Haut auf und ernähren sich dann vom Blut. Die juckenden Stiche sind teilweise wochenlang sichtbar.

Unser nächstes Ziel lag nun darin, so nah wie möglich an Milford Sound heran zu fahren. Da Entfernungen in Neuseeland nicht zu unterschätzen sind und wir für den nächsten Tag einen Ausflug zum Milford Sound geplant hatten, wollten wir lieber nichts riskieren. Wir erreichten Te Anau – das letzte größere Städtchen vor unserem Ziel – am späten Nachmittag und beschlossen, dort auf einem Campingplatz zu übernachten.

Milford Sound

Wir standen früh auf, da wir um elf Uhr das Ausflugsboot erwischen wollten und um das letzte Stück zum Milford Sound in Ruhe fahren zu können. Dass die Fahrt spannender werden sollte als gedacht, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir brauchten knapp eineinhalb Stunden durch die Wälder, Berge und Täler und kämpften uns durch dichten Nebel und Regen. Aufregend wurde es, als die Belüftung des Autos nicht mehr richtig funktionierte und wir stehen bleiben mussten weil wir kaum etwas sehen konnten. Nachdem wir einen etwas beängstigenden Tunnel passiert hatten, sollte uns eine atemberaubende Aussicht belohnen. Aufgrund des Nebels fiel sie etwas kurz aus, weshalb wir das Sightseeing auf die Rückfahrt verschoben.

Auf dem Schiff im Milford Sound blies uns der starke Wind nahezu um. Die Fahrt durch den Fjord bis ans Tasmanische Meer und wieder zurück dauert etwa eineinhalb Stunden. Man fährt an breiten und schmalen Wasserfällen vorbei und wir entdeckten sogar eine Gruppe von Seelöwen auf einem Felsen.

Milford Sound Neuseeland wienergrün Blog

Auf der Rückfahrt hielten wir bei den Mirror Lakes, die direkt am Straßenrand liegen. Die kleinen Seen (eher Lacken) sind so klar, dass sich die umliegenden Berge darin spiegeln.

Der anstrengende Aufstieg zu Roys Peak

Beim Frühstücken beschlossen wir, uns in Richtung Wanaka aufzumachen. Wir schlängelten uns über schwindelige Höhen bis wir in einem Tal an einem Zaun mit tausenden BH’s vorbeifuhren. Wir erfuhren, dass der Zaun auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen soll.

In dem kleinen Städtchen Wanaka war sehr viel los, weshalb wir unseren Vorratseinkauf verschoben und weiter zu Roys Peak fuhren. Wir hatten im Vorfeld gelesen, dass man früh morgens dorthin fahren soll, da der Parkplatz schnell voll sei. Wetterbedingt war um zwölf Uhr noch genügend Platz und obwohl es gerade zu nieseln begann, wagten wir den Aufstieg trotzdem. Die Wanderung gestaltete sich schon nach kurzer Zeit als recht anstrengend. Aus dem Nieseln wurde schnell Regen, aber wir wollten nicht aufgeben. Nach 2:45 Stunden erreichten wir den ersten Aussichtspunkt. Zum Gipfel hätten wir noch 30 Minuten weiterlaufen müssen, dieser lag jedoch in dichtem Nebel und wir waren bereits bis zur Unterhose nass, weshalb wir darauf verzichteten. Der Abstieg ging in die Knie und dauerte beinahe so lange wie der Aufstieg.

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