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Stille am Toten Meer

Für uns stand schon lange vor dem Plan nach Israel zu reisen fest, dass wir eines Tages unbedingt im Toten Meer schwimmen möchten. Dafür wählten wir die Region um die Oase En Gedi aus, die nach Tel Aviv unser nächstes Ziel war. Für die gesamte Reise hatten wir uns vorgenommen, etwas nachhaltigerer unterwegs zu sein, und wollten das Land in öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden. Trotz der wenigen Ballungszentren im Inneren des Landes funktionierte dies einigermaßen gut.

Mit dem Bus 421 nach En Gedi

Mit dem Stadtbus ging es zum relativ großen Busbahnhof, wo wir uns durchfragen mussten um endlich den Bus 421 nach En Gedi zu finden. Unsere vor Ort gekauften Tickets garantierten uns einen Sitzplatz (was gar nicht selbstverständlich war, denn viele Passagiere mussten stehen oder auf dem Boden sitzen). Die Fahrt führte uns aus Tel Aviv hinaus, durch die Wüste, vorbei an kleinen Ortschaften und der Stadt Be’er Scheva. Wir waren etwa 2 Stunden unterwegs bis wir die Südspitze des Toten Meeres erreichten. Als unser Bus durch En Bokek fuhr – eine Touristenstadt voller Hotels und Spas – waren wir froh, uns für eine Unterkunft in En Gedi entschieden zu haben. Der Südteil des Toten Meeres hat fast nichts Natürliches mehr an sich, da es extrem reguliert wurde und der Wasserspiegel seit Jahren sinkt.

In En Gedi stiegen wir an der Endstation – dem En Gedi Spa – aus dem Bus und in die brütende Hitze der Wüste. Wir bemerkten kurz darauf aber, dass unser eigentliches Ziel noch einige Kilometer weiter entfernt lag. Der Bus fuhr an dieser Stelle jedoch nicht weiter. Für einen kurzen Moment fühlten wir uns verloren. Wir setzten uns in einen Privatbus und landeten zumindest im Kibutz von En Gedi, ein kleines Stück näher an unserem Ziel. Schlussendlich nahmen wir ein Taxi – mitten in der Wüste! – und lernten einmal mehr die Auswirkungen des Klimawandels kennen. Ein großer Teil der Landstraße 90 am Ufer des Toten Meeres war gesperrt. Den Grund dafür sollten wir in unserem Hostel erfahren, das einsam auf einer Anhöhe stand. Das Haus war, wie alle anderen wenigen Gebäude in der Gegend, beige angestrichen und von hohen Zäunen und Kunstrasen umgeben.

Das Leben am Toten Meer

Vor wenigen Jahren wurde direkt in der Nähe des Hostels ein neuer Strandzugang gebaut und für den Tourismus hergerichtet. Da der Wasserspiegel des Toten Meeres mit jedem Jahr weiter sinkt, bilden sich am Ufer Sinklöcher, die durch das instabile Salz-Stein-Gemisch mit der Zeit einstürzen. Genau das ist am neu gebauten Strandabschnitt und an der Straße passiert, weshalb beides gesperrt werden musste. Offiziell war der Zutritt zum Strand verboten und abgeriegelt. Ursprünglich wollten wir einen Ausflug nach En Bokek unternehmen. Der Rezeptionist riet uns aber auf eigene Gefahr, die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, und am gesperrten Strand ins Wasser zu gehen.

Zuvor wollten wir noch den nahegelegenen Nationalpark erkunden. Der Weg war aufgrund der Hitze sehr anstrengend, wir wurden aber mit Wasserfällen und kühlem Nass belohnt. Den restlichen Tag wollten wir am Toten Meer verbringen.

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Baden im Toten Meer

Der Weg zum Strand war abenteuerlich: durch einen aufgerissenen Zaun, über verschütteten und kaputten Asphalt, vorbei an riesigen Felsbrocken, die als zusätzliche Sperre gedacht waren, über einen komplett verwachsenen Parkplatz. Durch die abgestorbenen Palmen und verfallenen Gebäude am Rand, hatte die Szenerie etwas Postapokalyptisches. Wir gingen weiter in Richtung Wasser, erreichten einen schönen Holzsteg und folgten ihm nach unten. Wir befanden uns nun mehr als 420 Meter unter dem Meeresspiegel.

Gesperrter Strand wienergrün Blog

Der Strand war bis auf zwei andere Personen völlig leer. Er war steinig und mit großen Salzbrocken übersät. Wir gingen ohne zu zögern in das salzige Wasser. Das unbekannte Gefühl, an der Oberfläche zu schweben ohne unterzugehen, war merkwürdig. Erst auf dem Wasser liegend bemerkten wir unsere Umgebung. Kein Geplätscher. Kein Wind. Keine Vögel. Die Stille war überwältigend. Wir ließen uns treiben und genossen den Moment. Er hatte etwas Meditatives. Wir hatten ihn gefunden – den nicht nur geografisch tiefstgelegendsten, sondern auch den friedlichsten Ort der Welt. Als wir uns auf dem Wasser treiben ließen, waren wir uns bereits sicher, diesen Augenblick lange vermissen zu werden. Obwohl das Salz allmählich auf der Haut brannte und sich eine ölige Schicht bildete, blieben wir bis die Sonne unterging. Vergesst nicht, genügend Wasser mitzunehmen. Das Salz auf der Haut entzieht dem Körper Wasser und macht extrem durstig.

Schwimmen im Toten Meer wienergrün Blog
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Bevor es am nächsten Tag nach Jerusalem gehen sollte, stand ein Besuch der jahrhundertealten Festung Masada an. Nach einer kurzen Bus- und Seilbahnfahrt erreichten wir die Ruinen der 2000 Jahre alten Anlage. Dort oben schnappten wir immer wieder spannende Details von Touristenführern auf und gestalteten so unsere eigene Tour.

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